Was ist ein KI-Agent im Industrieunternehmen?
Ein KI-Agent im Industrieunternehmen ist Software, die mit einem Sprachmodell einen Arbeitsschritt in einem bestehenden Prozess übernimmt und dafür in den Systemen handelt, in denen die Arbeit liegt: im ERP wie SAP S/4HANA, im CRM, im Ticketsystem oder im QM-System. Alle zehn Beispiele für KI-Agenten in der Industrie weiter unten folgen derselben Mechanik aus Eingang, Kontext, Vorschlag, Freigabe und Rückschreiben.
Drei Bedingungen unterscheiden einen Agenten in Produktion von einem Assistenten, den Mitarbeitende fragen. Er arbeitet innerhalb eines Prozesses mit festem Anfang und Ende, etwa von der eingehenden Reklamation bis zum Entwurf der Stellungnahme. Im Fachbereich ist eine Person als Workflow-Verantwortliche benannt, die am Ergebnis gemessen wird. Und er arbeitet in einem Kontrollrahmen, der Lese- und Schreibrechte, Schwellenwerte, Freigabepunkte, Protokollierung und Eskalation festlegt.
In größeren Unternehmen ist KI angekommen, wird aber häufiger für Texte als für die Automatisierung von Arbeitsabläufen genutzt. Destatis zählt 2025 unter den Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten 57 Prozent, die KI nutzen; von diesen analysieren 57 Prozent damit Texte, und 37 Prozent automatisieren Arbeitsabläufe oder unterstützen Entscheidungen. Ein Agent verbindet beides, weil er Texte liest und daraus einen Arbeitsschritt im System macht.
Beispiele für KI-Agenten in der Industrie: zehn Workflows nach Funktion
Gute Einsatzfelder liegen dort, wo viele gleichartige Fälle als E-Mail, PDF oder Formular ankommen und jemand sie gegen ERP, CRM oder QM-System prüft. Im Industrieunternehmen sind das der technische Service, das Angebotswesen, Qualität und Einkauf, die Auftragserfassung, Instandhaltung und Field Service sowie die Dokumentation der Produktion.
Im Reklamationsprozess stellt der Agent die Fallakte für den 8D-Report zusammen, entwirft die Problembeschreibung (D2) und schlägt Sofortmaßnahmen (D3) aus ähnlichen früheren Fällen vor; Ursachenanalyse und Abstellmaßnahmen verantwortet das Qualitätsmanagement. Bestellungen, die als E-Mail oder PDF ankommen, legt der Agent als Auftragsentwurf im ERP an, nachdem er Kunde, Artikel, Preise und Liefertermine geprüft hat; darin liegt der Kern, wenn Sie die Auftragserfassung automatisieren.
| Funktion | Workflow | Eingang | Was der Agent tut | Wer freigibt |
|---|---|---|---|---|
| Technischer Service | Service-Triage | E-Mail, Serviceportal, Telefonnotiz | Klassifiziert nach Art und Dringlichkeit, zieht die Maschinenhistorie aus ERP und CRM und entwirft eine Antwort mit Quellen | Service Desk oder Servicetechniker |
| Vertrieb | Angebotserstellung | Anfrage als E-Mail mit PDF oder Tabelle | Extrahiert die Positionen, ordnet sie dem Artikelstamm zu, prüft Preisregeln und Verfügbarkeit und legt einen Angebotsentwurf im ERP an | Vertriebsinnendienst |
| Qualität | Reklamation und 8D-Report | Kundenreklamation mit Fotos und Lieferpapieren | Stellt die Fallakte zusammen, entwirft die Problembeschreibung, sucht ähnliche frühere Fälle und schlägt Sofortmaßnahmen vor | Qualitätsmanagement |
| Einkauf | Auftragsbestätigungen prüfen | Auftragsbestätigung des Lieferanten als PDF | Gleicht Menge, Preis und Liefertermin mit der Bestellung ab, markiert Abweichungen und schlägt die Terminänderung im ERP vor | Einkauf oder Disposition |
| Einkauf und Wareneingang | Zeugnisse und Zertifikate | Werkszeugnis 2.2 oder Abnahmeprüfzeugnis 3.1 nach EN 10204 | Liest die Prüfwerte, vergleicht sie mit der Spezifikation, ordnet das Zeugnis der Charge zu und legt es im DMS ab | Wareneingangsprüfung oder Qualitätsmanagement |
| Auftragsabwicklung | Auftragserfassung | Bestellung als E-Mail, PDF oder Portalauszug | Ordnet Kunde, Artikel und Preise zu, prüft Liefertermine und legt den Kundenauftrag als Entwurf im ERP an | Vertriebsinnendienst |
| Instandhaltung | Störmeldungen | Eintrag im Schichtbuch, E-Mail oder Anruf | Ordnet Anlage und Baugruppe zu, zieht Störungshistorie und Ersatzteilinformationen und bereitet die Instandhaltungsmeldung im ERP vor | Instandhaltungsplanung |
| Field Service | Serviceberichte | Technikernotizen, Fotos, Stundenzettel | Strukturiert den Bericht, prüft ihn auf Vollständigkeit und bereitet Material und Stunden für die Abrechnung vor | Serviceleitung |
| Produktion | Schicht- und Abweichungsberichte | Schichtbuch, Störungstexte, Meldungen aus dem MES | Fasst die Schicht für die Übergabe zusammen, markiert wiederkehrende Störungen und entwirft die Abweichungsmeldung | Schichtleitung oder Produktionsleitung |
| Vertriebsunterstützung | Lastenhefte und Ausschreibungen | Lastenheft oder Ausschreibung als PDF | Gleicht die Anforderungen mit den Produktdaten ab, listet Abweichungen und offene Fragen und entwirft die Stellungnahme | Vertriebsingenieur oder Produktmanagement |
KI-Agenten in der Produktion: Dokumentation ja, Maschinensteuerung nein
In der Produktion arbeiten KI-Agenten an Dokumentation und Koordination, nicht an Regelkreisen. SPS, Leitsystem und alles, was in Echtzeit steuert oder regelt, bleiben, wo sie sind, und der Agent bekommt dort weder Schreibrechte noch einen Platz in einer Regelschleife.
Was er liest, kommt über die IT-Seite: Schichtbuch, Störungstexte, Stillstandsgründe aus dem MES und die Instandhaltungshistorie aus dem ERP. Was er schreibt, ist ein Entwurf, etwa ein Übergabebericht, eine Abweichungsmeldung oder eine Instandhaltungsmeldung, den die Schichtleitung oder die Instandhaltungsplanung freigibt. Die Trennung von IT und OT, wie sie Ihre Netz- und Sicherheitsarchitektur vorsieht, bleibt damit unverändert.
Bei Schichtberichten kommt eine Grenze hinzu, die wenig mit Technik zu tun hat. Der Agent fasst Störungen, Maßnahmen und offene Punkte zusammen, nicht die Leistung einzelner Mitarbeitender. KI-Systeme, die Leistung und Verhalten von Beschäftigten beobachten und bewerten sollen, führt Anhang III Nr. 4 Buchstabe b der KI-Verordnung unter den Hochrisiko-Systemen auf, und bei technischen Einrichtungen, die dazu bestimmt sind, Verhalten oder Leistung der Arbeitnehmer zu überwachen, hat der Betriebsrat nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG mitzubestimmen. Die rechtliche Bewertung bleibt bei Ihrer Rechtsabteilung und Ihrem Datenschutz; klären Sie sie mit dem Betriebsrat, bevor der Agent die erste Schicht liest.
KI-Agenten im Mittelstand: den ersten Workflow auswählen
Der erste KI-Agent gehört in einen Workflow mit vielen gleichartigen Fällen, einer verantwortlichen Person im Fachbereich und Kontext, der bereits in Systemen liegt. Im Mittelstand sind gute Kandidaten deshalb das Service-Postfach, das Angebotswesen oder die Auftragserfassung, weil dort die Mengen im ERP und im Ticketsystem schon gezählt werden.
Zwei Antworten schließen einen Kandidaten als ersten Workflow aus. Gibt es niemanden im Fachbereich, der am Ergebnis gemessen wird, entsteht eine Demo, die nach dem Pilotprojekt niemand betreibt. Entscheidet der Ablauf über Personen, etwa über Bewerbungen oder Leistungsbewertungen, verschieben die Pflichten für Hochrisiko-Systeme Aufwand und Zeitplan.
Der Workflow-Check bewertet einen konkreten Ablauf in zehn Fragen nach Wert, Machbarkeit und Verantwortung. Ausgearbeitete Workflows mit Agent, Freigabepunkten, Kontrollrahmen und Kennzahlen stehen unter Anwendungsfälle.
- 01
Genug Fälle, dass der Workflow mindestens eine halbe Vollzeitstelle bindet
- 02
Eingänge, die digital ankommen, als E-Mail, PDF, Portaleintrag oder Formular
- 03
Kontext in ERP, CRM, Ticketsystem oder DMS, der über eine Schnittstelle erreichbar ist
- 04
Die zehn häufigsten Entscheidungen samt Regel aufgeschrieben oder aufschreibbar
- 05
Eine benannte Workflow-Verantwortliche oder ein benannter Workflow-Verantwortlicher im Fachbereich
- 06
Keine Entscheidung über Personen im ersten Workflow
KI-Agenten für Unternehmen selbst bauen: was sich für die Produktion ändert
Mit Low-Code-Werkzeugen wie n8n oder Microsoft Copilot Studio kann ein Fachbereich einen Agenten selbst bauen, und für einen ersten Prototyp kann das der schnellste Weg sein. Für den Betrieb im führenden System entscheiden vier Punkte, die kein Werkzeug von allein klärt: Schreibrechte, Kontrollrahmen, Testset und Verantwortung.
Beide Werkzeuge bringen ernsthafte Bausteine mit. In n8n verbindet der AI-Agent-Knoten ein Sprachmodell mit Werkzeugen, zwischen denen der Agent selbst wählt, und n8n lässt sich auf eigener Infrastruktur betreiben, im eigenen Rechenzentrum oder in einer privaten Cloud. Copilot Studio ist Microsofts grafische Low-Code-Umgebung für Agenten und Workflows, mit vorgefertigten und eigenen Konnektoren zu Unternehmenssystemen, Prüfschritten durch Menschen und Evaluierungen mit Testsets.
Ob am Ende n8n, Copilot Studio oder eigener Code in Ihrer Cloud läuft, ist eine Architekturentscheidung mit Ihrer IT. Ein Workflow kann mit jedem dieser Werkzeuge in Produktion gehen, sobald die vier Punkte entschieden, aufgeschrieben und im Schattenbetrieb geprüft sind.
| Punkt | Im Prototyp | In Produktion im führenden System |
|---|---|---|
| Schreibrechte | Lesezugriff, etwa auf einen Datenexport; Schreibrechte ungeklärt | Ein technisches Konto mit Rechten je System und Feld, Schreiben nur in einen Status wie Entwurf, von der IT freigegeben |
| Kontrollrahmen | Freigabe durch die Person, die den Prototyp testet | Schwellenwerte, Freigabepunkte je Fallkategorie, Protokoll je Fall und Eskalation, abgestimmt mit IT, Datenschutz und Betriebsrat |
| Testset | Eine Handvoll Beispielfälle | Echte Fälle aus den letzten Monaten mit bekannter Entscheidung, gegen die jede Änderung an Prompt, Regel oder Modell vor der Freigabe läuft |
| Verantwortung | Die Person, die den Prototyp gebaut hat | Eine Workflow-Verantwortliche im Fachbereich, ein Betreiber für Monitoring und Störungen und ein festgelegter Änderungsweg |
Der typische Weg im ersten Quartal
Für einen ersten Workflow planen wir vier Wochen Assessment und anschließend 8 bis 12 Wochen Umsetzung. Im letzten Teil der Umsetzung beginnt der Schattenbetrieb: Der Agent erstellt Vorschläge zu echten Fällen, während Ihr Team die verbindlichen Entscheidungen trifft. Der Zeitplan hängt von Schnittstellen, verfügbaren Testfällen und erforderlichen Freigaben ab.
Erst wenn die vereinbarten Kriterien je Fallkategorie erfüllt sind, werden Aufgaben für den regulären Betrieb freigegeben. Die Seite Arbeitsweise beschreibt die Schritte und Zuständigkeiten.
- 01
Nach 30 Tagen liegen eine priorisierte Liste, Basiswerte für die drei besten Kandidaten und ein Umsetzungsplan zum Festpreis vor.
- 02
Nach 60 Tagen sind Zielablauf und Kontrollrahmen mit IT und Compliance abgestimmt, und die ersten Agenten laufen mit der Workflow-Verantwortlichen gegen Testfälle.
- 03
Nach etwa 90 Tagen ist der Schattenbetrieb geplant. Ob ein Betriebsstart möglich ist, entscheiden die Testergebnisse je Fallkategorie und die zuständigen Verantwortlichen.
Quellen
- 01Destatis, Unternehmen mit Nutzung von Technologien der künstlichen Intelligenz nach Beschäftigtengrößenklassen 2025
- 02Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Anhang III, AI Act Service Desk der Europäischen Kommission
- 03§ 87 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG), gesetze-im-internet.de
- 04n8n Docs, AI Agent Node
- 05n8n Docs, Host n8n (Selbstbetrieb)
- 06Microsoft Learn, Überblick über Copilot Studio