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KI-Agenten

KI-Agenten in der Industrie: zehn Beispiele aus Service, Qualität und Einkauf

KI-Agenten können Arbeitsschritte in ERP, CRM und QM-Systemen übernehmen. Zehn Beispiele zeigen mögliche Aufgaben in Service, Vertrieb, Qualität und Einkauf, jeweils mit klaren Zuständigkeiten und menschlichen Freigaben.

9 MinutenAktualisiert 18. Oktober 2026

Was ist ein KI-Agent im Industrieunternehmen?

Ein KI-Agent im Industrieunternehmen ist Software, die mit einem Sprachmodell einen Arbeitsschritt in einem bestehenden Prozess übernimmt und dafür in den Systemen handelt, in denen die Arbeit liegt: im ERP wie SAP S/4HANA, im CRM, im Ticketsystem oder im QM-System. Alle zehn Beispiele für KI-Agenten in der Industrie weiter unten folgen derselben Mechanik aus Eingang, Kontext, Vorschlag, Freigabe und Rückschreiben.

Drei Bedingungen unterscheiden einen Agenten in Produktion von einem Assistenten, den Mitarbeitende fragen. Er arbeitet innerhalb eines Prozesses mit festem Anfang und Ende, etwa von der eingehenden Reklamation bis zum Entwurf der Stellungnahme. Im Fachbereich ist eine Person als Workflow-Verantwortliche benannt, die am Ergebnis gemessen wird. Und er arbeitet in einem Kontrollrahmen, der Lese- und Schreibrechte, Schwellenwerte, Freigabepunkte, Protokollierung und Eskalation festlegt.

In größeren Unternehmen ist KI angekommen, wird aber häufiger für Texte als für die Automatisierung von Arbeitsabläufen genutzt. Destatis zählt 2025 unter den Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten 57 Prozent, die KI nutzen; von diesen analysieren 57 Prozent damit Texte, und 37 Prozent automatisieren Arbeitsabläufe oder unterstützen Entscheidungen. Ein Agent verbindet beides, weil er Texte liest und daraus einen Arbeitsschritt im System macht.

Beispiele für KI-Agenten in der Industrie: zehn Workflows nach Funktion

Gute Einsatzfelder liegen dort, wo viele gleichartige Fälle als E-Mail, PDF oder Formular ankommen und jemand sie gegen ERP, CRM oder QM-System prüft. Im Industrieunternehmen sind das der technische Service, das Angebotswesen, Qualität und Einkauf, die Auftragserfassung, Instandhaltung und Field Service sowie die Dokumentation der Produktion.

Im Reklamationsprozess stellt der Agent die Fallakte für den 8D-Report zusammen, entwirft die Problembeschreibung (D2) und schlägt Sofortmaßnahmen (D3) aus ähnlichen früheren Fällen vor; Ursachenanalyse und Abstellmaßnahmen verantwortet das Qualitätsmanagement. Bestellungen, die als E-Mail oder PDF ankommen, legt der Agent als Auftragsentwurf im ERP an, nachdem er Kunde, Artikel, Preise und Liefertermine geprüft hat; darin liegt der Kern, wenn Sie die Auftragserfassung automatisieren.

FunktionWorkflowEingangWas der Agent tutWer freigibt
Technischer ServiceService-TriageE-Mail, Serviceportal, TelefonnotizKlassifiziert nach Art und Dringlichkeit, zieht die Maschinenhistorie aus ERP und CRM und entwirft eine Antwort mit QuellenService Desk oder Servicetechniker
VertriebAngebotserstellungAnfrage als E-Mail mit PDF oder TabelleExtrahiert die Positionen, ordnet sie dem Artikelstamm zu, prüft Preisregeln und Verfügbarkeit und legt einen Angebotsentwurf im ERP anVertriebsinnendienst
QualitätReklamation und 8D-ReportKundenreklamation mit Fotos und LieferpapierenStellt die Fallakte zusammen, entwirft die Problembeschreibung, sucht ähnliche frühere Fälle und schlägt Sofortmaßnahmen vorQualitätsmanagement
EinkaufAuftragsbestätigungen prüfenAuftragsbestätigung des Lieferanten als PDFGleicht Menge, Preis und Liefertermin mit der Bestellung ab, markiert Abweichungen und schlägt die Terminänderung im ERP vorEinkauf oder Disposition
Einkauf und WareneingangZeugnisse und ZertifikateWerkszeugnis 2.2 oder Abnahmeprüfzeugnis 3.1 nach EN 10204Liest die Prüfwerte, vergleicht sie mit der Spezifikation, ordnet das Zeugnis der Charge zu und legt es im DMS abWareneingangsprüfung oder Qualitätsmanagement
AuftragsabwicklungAuftragserfassungBestellung als E-Mail, PDF oder PortalauszugOrdnet Kunde, Artikel und Preise zu, prüft Liefertermine und legt den Kundenauftrag als Entwurf im ERP anVertriebsinnendienst
InstandhaltungStörmeldungenEintrag im Schichtbuch, E-Mail oder AnrufOrdnet Anlage und Baugruppe zu, zieht Störungshistorie und Ersatzteilinformationen und bereitet die Instandhaltungsmeldung im ERP vorInstandhaltungsplanung
Field ServiceServiceberichteTechnikernotizen, Fotos, StundenzettelStrukturiert den Bericht, prüft ihn auf Vollständigkeit und bereitet Material und Stunden für die Abrechnung vorServiceleitung
ProduktionSchicht- und AbweichungsberichteSchichtbuch, Störungstexte, Meldungen aus dem MESFasst die Schicht für die Übergabe zusammen, markiert wiederkehrende Störungen und entwirft die AbweichungsmeldungSchichtleitung oder Produktionsleitung
VertriebsunterstützungLastenhefte und AusschreibungenLastenheft oder Ausschreibung als PDFGleicht die Anforderungen mit den Produktdaten ab, listet Abweichungen und offene Fragen und entwirft die StellungnahmeVertriebsingenieur oder Produktmanagement
Jeder Agent bekommt zuerst Leserechte. Schreibrechte, etwa auf den Status Entwurf, folgen erst nach dem Schattenbetrieb.

KI-Agenten in der Produktion: Dokumentation ja, Maschinensteuerung nein

In der Produktion arbeiten KI-Agenten an Dokumentation und Koordination, nicht an Regelkreisen. SPS, Leitsystem und alles, was in Echtzeit steuert oder regelt, bleiben, wo sie sind, und der Agent bekommt dort weder Schreibrechte noch einen Platz in einer Regelschleife.

Was er liest, kommt über die IT-Seite: Schichtbuch, Störungstexte, Stillstandsgründe aus dem MES und die Instandhaltungshistorie aus dem ERP. Was er schreibt, ist ein Entwurf, etwa ein Übergabebericht, eine Abweichungsmeldung oder eine Instandhaltungsmeldung, den die Schichtleitung oder die Instandhaltungsplanung freigibt. Die Trennung von IT und OT, wie sie Ihre Netz- und Sicherheitsarchitektur vorsieht, bleibt damit unverändert.

Bei Schichtberichten kommt eine Grenze hinzu, die wenig mit Technik zu tun hat. Der Agent fasst Störungen, Maßnahmen und offene Punkte zusammen, nicht die Leistung einzelner Mitarbeitender. KI-Systeme, die Leistung und Verhalten von Beschäftigten beobachten und bewerten sollen, führt Anhang III Nr. 4 Buchstabe b der KI-Verordnung unter den Hochrisiko-Systemen auf, und bei technischen Einrichtungen, die dazu bestimmt sind, Verhalten oder Leistung der Arbeitnehmer zu überwachen, hat der Betriebsrat nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG mitzubestimmen. Die rechtliche Bewertung bleibt bei Ihrer Rechtsabteilung und Ihrem Datenschutz; klären Sie sie mit dem Betriebsrat, bevor der Agent die erste Schicht liest.

KI-Agenten im Mittelstand: den ersten Workflow auswählen

Der erste KI-Agent gehört in einen Workflow mit vielen gleichartigen Fällen, einer verantwortlichen Person im Fachbereich und Kontext, der bereits in Systemen liegt. Im Mittelstand sind gute Kandidaten deshalb das Service-Postfach, das Angebotswesen oder die Auftragserfassung, weil dort die Mengen im ERP und im Ticketsystem schon gezählt werden.

Zwei Antworten schließen einen Kandidaten als ersten Workflow aus. Gibt es niemanden im Fachbereich, der am Ergebnis gemessen wird, entsteht eine Demo, die nach dem Pilotprojekt niemand betreibt. Entscheidet der Ablauf über Personen, etwa über Bewerbungen oder Leistungsbewertungen, verschieben die Pflichten für Hochrisiko-Systeme Aufwand und Zeitplan.

Der Workflow-Check bewertet einen konkreten Ablauf in zehn Fragen nach Wert, Machbarkeit und Verantwortung. Ausgearbeitete Workflows mit Agent, Freigabepunkten, Kontrollrahmen und Kennzahlen stehen unter Anwendungsfälle.

  1. 01

    Genug Fälle, dass der Workflow mindestens eine halbe Vollzeitstelle bindet

  2. 02

    Eingänge, die digital ankommen, als E-Mail, PDF, Portaleintrag oder Formular

  3. 03

    Kontext in ERP, CRM, Ticketsystem oder DMS, der über eine Schnittstelle erreichbar ist

  4. 04

    Die zehn häufigsten Entscheidungen samt Regel aufgeschrieben oder aufschreibbar

  5. 05

    Eine benannte Workflow-Verantwortliche oder ein benannter Workflow-Verantwortlicher im Fachbereich

  6. 06

    Keine Entscheidung über Personen im ersten Workflow

KI-Agenten für Unternehmen selbst bauen: was sich für die Produktion ändert

Mit Low-Code-Werkzeugen wie n8n oder Microsoft Copilot Studio kann ein Fachbereich einen Agenten selbst bauen, und für einen ersten Prototyp kann das der schnellste Weg sein. Für den Betrieb im führenden System entscheiden vier Punkte, die kein Werkzeug von allein klärt: Schreibrechte, Kontrollrahmen, Testset und Verantwortung.

Beide Werkzeuge bringen ernsthafte Bausteine mit. In n8n verbindet der AI-Agent-Knoten ein Sprachmodell mit Werkzeugen, zwischen denen der Agent selbst wählt, und n8n lässt sich auf eigener Infrastruktur betreiben, im eigenen Rechenzentrum oder in einer privaten Cloud. Copilot Studio ist Microsofts grafische Low-Code-Umgebung für Agenten und Workflows, mit vorgefertigten und eigenen Konnektoren zu Unternehmenssystemen, Prüfschritten durch Menschen und Evaluierungen mit Testsets.

Ob am Ende n8n, Copilot Studio oder eigener Code in Ihrer Cloud läuft, ist eine Architekturentscheidung mit Ihrer IT. Ein Workflow kann mit jedem dieser Werkzeuge in Produktion gehen, sobald die vier Punkte entschieden, aufgeschrieben und im Schattenbetrieb geprüft sind.

PunktIm PrototypIn Produktion im führenden System
SchreibrechteLesezugriff, etwa auf einen Datenexport; Schreibrechte ungeklärtEin technisches Konto mit Rechten je System und Feld, Schreiben nur in einen Status wie Entwurf, von der IT freigegeben
KontrollrahmenFreigabe durch die Person, die den Prototyp testetSchwellenwerte, Freigabepunkte je Fallkategorie, Protokoll je Fall und Eskalation, abgestimmt mit IT, Datenschutz und Betriebsrat
TestsetEine Handvoll BeispielfälleEchte Fälle aus den letzten Monaten mit bekannter Entscheidung, gegen die jede Änderung an Prompt, Regel oder Modell vor der Freigabe läuft
VerantwortungDie Person, die den Prototyp gebaut hatEine Workflow-Verantwortliche im Fachbereich, ein Betreiber für Monitoring und Störungen und ein festgelegter Änderungsweg
Die Werkzeuge liefern Bausteine für jede Zeile. Die Entscheidungen in der rechten Spalte trifft Ihr Haus.

Der typische Weg im ersten Quartal

Für einen ersten Workflow planen wir vier Wochen Assessment und anschließend 8 bis 12 Wochen Umsetzung. Im letzten Teil der Umsetzung beginnt der Schattenbetrieb: Der Agent erstellt Vorschläge zu echten Fällen, während Ihr Team die verbindlichen Entscheidungen trifft. Der Zeitplan hängt von Schnittstellen, verfügbaren Testfällen und erforderlichen Freigaben ab.

Erst wenn die vereinbarten Kriterien je Fallkategorie erfüllt sind, werden Aufgaben für den regulären Betrieb freigegeben. Die Seite Arbeitsweise beschreibt die Schritte und Zuständigkeiten.

  1. 01

    Nach 30 Tagen liegen eine priorisierte Liste, Basiswerte für die drei besten Kandidaten und ein Umsetzungsplan zum Festpreis vor.

  2. 02

    Nach 60 Tagen sind Zielablauf und Kontrollrahmen mit IT und Compliance abgestimmt, und die ersten Agenten laufen mit der Workflow-Verantwortlichen gegen Testfälle.

  3. 03

    Nach etwa 90 Tagen ist der Schattenbetrieb geplant. Ob ein Betriebsstart möglich ist, entscheiden die Testergebnisse je Fallkategorie und die zuständigen Verantwortlichen.

Häufige Fragen

Häufige Fragen

Welche Use Cases für KI-Agenten gibt es in der Industrie?
Gute Einsatzfelder sind Service-Triage, Angebotserstellung, Reklamationen mit 8D-Report, die Prüfung von Auftragsbestätigungen und Zeugnissen, die Auftragserfassung, Störmeldungen, Serviceberichte sowie Schicht- und Abweichungsberichte. Allen gemeinsam sind ein digitaler Eingang, Kontext im ERP oder CRM und eine Freigabe durch eine benannte Rolle.
Dürfen KI-Agenten in der Produktion Maschinen steuern?
In den hier beschriebenen Workflows steuern sie keine Maschinen. Sie arbeiten an Schichtbuch, Störungstexten und Berichten und schreiben Entwürfe, die Menschen freigeben, während SPS, Leitsystem und Maschinensteuerung ohne Zugriff des Agenten bleiben. Die Trennung von IT und OT bleibt damit, wie sie ist.
Welche KI-Agenten eignen sich für den Mittelstand?
Am besten eignen sich Workflows mit vielen gleichartigen Fällen und einer verantwortlichen Person im Fachbereich, etwa das Service-Postfach, das Angebotswesen oder die Auftragserfassung. Dort liegen Mengen und Kontext bereits im ERP und im Ticketsystem, und die Durchlaufzeit ist messbar. Beginnen Sie mit einem Workflow und übertragen Sie das Gelernte auf den zweiten.
Brauchen KI-Agenten für Unternehmen eine eigene Plattform?
Eine eigene Plattform ist nicht nötig. Agenten lassen sich mit Low-Code-Werkzeugen wie n8n oder Copilot Studio bauen oder mit gängigen Frameworks in der eigenen Cloud-Umgebung. Für die Produktion entscheiden Schreibrechte, Kontrollrahmen, Testset und eine verantwortliche Person, nicht die Plattform.
Wie lange dauert es, bis ein KI-Agent in Produktion läuft?
Wir planen vier Wochen für das Assessment und anschließend 8 bis 12 Wochen für die Umsetzung. Der Schattenbetrieb beginnt im letzten Teil der Umsetzung. Den genauen Betriebsstart bestimmen die verfügbaren Schnittstellen, Freigaben und Testergebnisse.

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